GESCHICHTE

Historische Funde und erzählte Legenden

Wir glauben, dass sich ein jahrhundertealtes Haus nicht besitzen lässt, stattdessen fühlen wir uns verpflichtet das Gut zu bewahren und seine bewegende Geschichte weiterzugeben, so lange wir das Privileg geniessen hier leben und arbeiten zu dürfen.

EIN PRÄHISTORISCHER ORT

Die Geschichte unseres Ortes reicht mindestens 3000 Jahre zurück! Im Historischen Museum in Stockholm lässt sich ein Blasinstrument aus der Bronzezeit bestaunen, welches 1907 im uns angrenzenden Acker gefunden wurde. Damit nicht genug: Eine weitere Fundstätte aus der Bronzezeit wurde auf der Anhöhe hinter unserer holzbefeuerten Sauna erforscht und geschützt. In Opferritualen wurden hier einst Samen aus den antiken Feldern in Steinaushöhlungen zermahlen. Lassen Sie Ihre Gedanken in die Bronzezeit schweifen, während Ihr Körper in der Sauna Ruhe und Erholung findet.

 

DER ANFANG VON HÅKANSGÅRD

 

Das Erbauungsjahr unseres Countryhouse bleibt ungewiss. Die Geschichte lässt sich nachweislich bis 1840 zurückverfolgen, aber vieles deutet darauf hin, dass hier bereits 100 Jahre früher Bauer Jöns Håkansson sein Familienheim errichtete. Auf einer historischen Zeitachse betrachtet erfolgte Jöns erster Spatenstich nach der letzten Schlacht zwischen Schweden und Dänemark um den Landesteil Skåne, aber noch vor Ankunft von Marschall Jean-Baptiste Bernadotte, dem zukünftigen König Schwedens. Håkansgård lässt sich mit Hof von Håkan übersetzten, demzufolge wurde das Gut nach seinem Erbauer benannt.

 

ZWEI JAHRHUNDERTE UND EINE FAMILIE

 

Während nahezu zwei Jahrhunderten blieb das Gut im Besitz einer einzigen Familie. Anton Patrik Anderson bewohnte und bewirtschaftete mit Hilfe seines tüchtigen Knechts in letzter Generation den Hof. Patrik blieb Junggeselle und kinderlos, weshalb ihn seine Nichte Ingrid beerbte. Die Erbin, verheiratet einem angesehenen Automobil- und Traktorenhändler der Stadt Ängelholm, träumte nicht vom Leben auf dem Land. Stattdessen wurde anfangs der Hof  verpachtet, später im Namen der Krone enteignet und neu klassifiziert. Ein offizielles Dokument belegt, dass der König von Schweden vorübergehend der rechtmässige Eigentümer unseres Countryhouse war.

 

ZEIT DES WANDELS

 

Über Generationen hinweg umfasste der Bauernhof eine Gesamtfläche von 17 ha. Im Jahr 1969 wurde das Acker- und Weideland im Zuge eines staatlichen Rationalisierungsprogramms einem grösseren Landwirtschaftsbetrieb angeschlossen, während der Hof mit nur mehr 0,4 ha Umschwung als Ferienhaus einem Handelsmann aus Göteborg verkauft wurde. Der Wittwer fand hier, auf halbem Weg zu seiner Geliebten aus Kopenhagen, einen romantischen Rückzugsort. Es war uns eine besondere Freude ein halbes Jahrhundert später seine beiden Söhne als Gäste bei uns empfangen zu dürfen.

 

1990 erwarb eine schwedische Expat-Familie das Eigentum. Zunächst als Ferienhaus in der alten Heimat, später entschied man sich weg vom pulsierenden Hong Kong und mondänen Mailand hin zu einem Leben auf dem Land. Renovierung, Umnutzung und Ausbau – schrittweise wurde das veraltete Bauernhaus in ein zeitgemässes Zuhause umgewandelt. Zur Verwirklichung des Traumes von einem Pferdehof erweiterte die Familie das Anwesen auf die gegenwärtige Fläche von 1,3 ha. Die Reitbahn, der frühere Pferdestall, eingezäuntes Weideland und die angrenzenden Felder schaffen noch heute echtes ländliches Idyll.

 

Im November 2017 besiegelten wir mit unseren Unterschriften unter dem Kaufvertrag den Anfang  eines neuen Kapitels: ein einzigartiges Boutique Hotel mit nur vier Zimmern und einem Esstisch. Auch dieser Wandel erfolgte im Sinne der früheren Eigentümer mit viel Respekt für Vergangenes, Offenheit  für Neues, sorgfältiger Auswahl aller Materialien und grosser Liebe zum Detail.

 

STEIN FÜR STEIN

 

1840 bestand der Hof aus lediglich zwei Gebäuden, 1937 kamen weitere hinzu und zu Letzt errichtete man im Jahre 2003 einen neuen Pferdestall. Alleranfangs baute man mit den lokal verfügbaren Materialien: Steine von den Feldern, Schilf von den nahegelegenen Mooren und Holz von Schiffen, die in den schwierigen Gewässer vor Torekov verunglückten. Wer genauer hinschaut, der findet in der heutigen Lobby alte Schiffsbalken wieder.

 

Soweit wir zurückschauen können, war unser Landhaus in Falunrot gestrichen, im Zusammenspiel mit blauen und weissen Details. Das historische Rot mit Pigmenten aus den Kupferminen von Falun ist Schwedens älteste und meistverwendete Farbe. Für uns symbolisieren die drei Farben unsere Halbinsel Bjäre, ein Ort wo Land, Meer und Himmel zusammentreffen.

 

Der Eröffnung von SOEDER Countryhouse & Kitchen im Juni 2019 gingen zwei Jahre intensiver Planung und sorgfältigen Renovationsarbeiten voraus.  Dabei galt es unterschiedlichste Herausforderungen zu meistern, und so entstand ein für uns sehr persönliches Projekt, welches wir nach unseren eigenen Ideen umsetzten. Der Hotelflügel mit seinen vier geräumigen Zimmern war einst ein Hühnerstall. Lange Zeit hielt sich das regionstypische Fachwerk hinter einer schlichten Bretterwand versteckt. Abgesehen von den historischen Aussenwänden wurde dieser Gebäudeteil vollständig erneuert. Und wenn Sie eines Abends in unserer Lobby am Kaminfeuer sitzen, schenken Sie einen Gedanken an damals, als hier noch eine Durchfahrt für Traktoren und Pferdewagen zum Inneren Hof führte.

 

Das Restaurant, wo sich unsere Gäste jeweils zu einem kulinarischen Abend zusammensetzen, diente einst als Kartoffellager und Schweinestall. Die vorhergehenden Eigentümer richteten sich hier ihr sogenanntes Festlokal ein, definitiv ein gutes Omen für viele weitere unvergessliche Abende. Die Wertschätzung des lokalen Handwerks pflegten bereits unsere Vorgänger, und so kam es, dass Plate Kalle, schwedisch für Klinker-Kalle, im Küchenboden eine Windrose gestaltete, die ihm nach einem heiteren Abend im Festlokal den Weg nach Hause weisen sollte. Seine originelle Signatur gab uns später die Idee unsere vier Zimmer nach den vier Himmelsrichtungen zu benennen und dementsprechend einzurichten.

 

Im Jahre 1969 setzte ein kräftiger Sturm dem traditionellen Strohdach ein Ende, ein Erdbeben 1985 brachte den alten Stall beinahe zum Einsturz und dem Hitzesommer 2018 fielen die zwei majestätischen Kirschbäume zum Opfer – auch die Natur beansprucht ihren Teil der Geschichte.

  

EIN ZUHAUSE FÜR MENSCH UND TIER

Früher lebten Mensch und Tier oftmals gemeinsam unter einem Dach. Es wurde uns erzählt, dass unser Haus einst von zwei Familien, getrennt vom dazwischenliegenden Schweinestall, gleichzeitig bewohnt wurde. Und in einem Buch von 1943 zählte man hier 2 Pferde, 7 Kühe, 4 Kälber, 2 Mutter- und 12 Mastschweine, dazu 45-50 Hühner. Auch später, als das Gut  nur mehr als Ferienhaus diente, hielt der Handelsmann Hühner. Bis heute erinnert sich seine Familie an Papas bösen Hahn, der regelmässig die dänische Geliebte aufschreckte. Unsere Vorgänger betrieben hier einen Pferdehof mit bis zu 6 edlen Reitpferden. Heute verleihen nur mehr unsere zwei Katzen Enzo und Oscar dem Hof tierisches Leben, aber wir träumen davon hier einmal wieder weitere Tieren zu halten.

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